Domain-Bewertungsfaktoren

Es gibt mehrere Modelle zur Bewertung von Domains, mit klingenden Namen wie RICK-Formel, Horatius-Formel oder SCHARF-Bewertungsmodell, deren Gemeinsamkeit die Bewertung aufgrund von gewichteten, wertbildenden Faktoren darstellt. Je nach Bewertungsmodell sind es unterschiedliche Kriterien, durch welche der Wert einer Domain beeinflusst wird. Dieser Abschnitt soll einen Überblick über die Faktoren geben, die am häufigsten zur Bewertung verwendet werden.

Sprachliche Bewertungsfaktoren

Faktoren, die auf die sprachliche Qualität einer Domain Einfluss haben.

  • Bekanntheit:
    Ist das Wort oder die Wortkombination im Duden gelistet, handelt es sich um eine geläufige Bezeichnung oder nur um eine Nische.
  • Wortart:
    Substantive stellen im Vergleich zu Adjektiven oder Verben üblicherweise die geeignetste Wortart für Domains dar.
  • Einzahl oder Mehrzahl:
    Bei manchen Wörtern ist Einzahl auch gleichzeitig Mehrzahl (z.B. Lehrer, Fenster, Schlüssel), in allen anderen Fällen besteht die Möglichkeit Traffic zu verlieren, wenn man nicht im Besitz beider Versionen ist.
  • Unmotivierte Anhänge:
    Enthält die Domain Ziffern, Zeichen oder Wörter, die nicht im Bezug zum Rest der Domain stehen, ist dies stark wertmindernd. Meistens handelt es sich dabei um Ausweich-Domains, da die eigentlichen Wunschdomains nicht mehr frei waren.
  • Sonderzeichen:
    Internationalizing Domain Names, kurz IDN-Domains, enthalten Nicht-ASCII-Zeichen wie Umlaute, die im Hintergrund mittels Punycode-Verfahren in reine ASCII-Domains umgewandelt werden. Diese Domains haben den Nachteil, dass sie nicht mit jeder Tastatur ohne Probleme geschrieben werden können und zur Anzeige ein IDN-tauglicher Client verfügbar sein muss.
  • Domainlänge:
    Die Anzahl der Zeichen wirkt sich stark auf den Domainwert aus. Lange Domains sind Tippfehleranfällig, schwierig zu merken und haben dadurch einen geringeren Werbewert. Bei Domains, die aus mehreren Wörtern bestehen, muss beachtet werden, dass die Zielgruppe mit jedem Wort weiter eigeschränkt wird.

Äußere Bewertungsfaktoren

Faktoren, die nicht direkt im Zusammenhang mit der Schreibweise der Domain stehen, sondern von der Umwelt bestimmt werden.

  • Juristisches Risiko:
    Besteht die Gefahr einer juristischen Auseinandersetzung (z.B. weil ein Markenrecht verletzt wurde), kann dies die mögliche Anzahl an Interessenten beeinflussen und damit auch den Wert der Domain.
  • Domainalter:
    Das Alter einer Domain hat Bedeutung für die Suchmaschinenoptimierung, da es als Ranking-Kriterium gesehen wird. Ob Suchmaschinen tatsächlich das Alter, also die Zeit seit der erstmaligen Registrierung der Domain für ihre Reihung heranziehen, kann wegen strikter Geheimhaltung der Suchkriterien nicht genau belegt werden, dass die Aktivität – also der Inhalt und die externe Verlinkung – während dieser Zeit Einfluss hat ist jedoch unumstritten. Das Domainalter lässt sich durch eine Whois-Abfrage ermitteln.
  • Ausweichmöglichkeiten:
    Geläufige Synonyme oder Abkürzung stellen Ausweichmöglichkeiten dar die Interessenten daran hindern könnten einen hohen Preis zu zahlen.
  • Kommerzielle Nutzbarkeit:
    Ein entscheidendes Bewertungskriterium ist die Art der Nutzbarkeit einer Domain. Lässt sich unter einer Domain ein kommerzielles Projekt betreiben und damit Geld verdienen, wirkt sich das positiv auf den Wert aus. Eine beschreibende Domain mit einem Begriff aus einem Nischenmarkt hat ein geringeres E-Commerce-Potenzial als ein Begriff aus einer großen internetaffinen Branche.
  • Image der Top-Level-Domain:
    Die Top-Level-Domain ist vergleichbar mit der Lage einer Immobilie. TLDs mit einem hohen Image, wie .com, .net oder .de stellen dabei eine bessere Lage dar, als relativ unbekannte Endungen wie .cc, .to oder .vu. Dabei muss beachtet werden, dass sich das Image von TLDs je nach Herkunftsland des Interessenten unterscheidet.

Messbare Bewertungsfaktoren

Im Gegensatz zu den bisherigen Faktoren, deren Einfluss auf den Domainwert schwer in Zahlen zu fassen und sich hauptsächlich als wertmindernd oder wertsteigernd beschreiben lassen, sind diese Kriterien direkt messbar und dadurch vergleichbar einfach zu bewerten.

  • Besucher:
    Verfügt eine Domain über soliden, bedeutenden Type-In-Traffic, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass es sich um eine qualitativ hochwertige Domain handelt. Die Besucheranzahl einer Domain lässt sich nur von deren Besitzer durch spezielle Scripte oder Tools wie Google Analytics bestimmen. Dadurch kann dieser Faktor nur bei der Bewertung einer eigenen Domain berücksichtigt werden.
  • Suchtreffer in Suchmaschinen:
    Bei einer Suchmaschinenabfrage wird üblicherweise die Anzahl an Suchtreffern angezeigt. Dieser Wert kann ein Anzeichen dafür sein wie relevant das Wort (oder die Wortkombination) im Internet ist. Dabei muss berücksichtigt werden um welche Wortart es sich handelt. Richtig repräsentativ ist das Ergebnis nur bei Substantiven, da Konjunktionen (z.B. “und”, “oder”) besonders häufig vorkommen, aber keine Themenrelevanz besitzen.
  • Suchhäufigkeit in Suchmaschinen:
    Im Gegensatz zu den Suchtreffern, die angeben wie oft über etwas im Internet geschrieben wird, beschreibt die Suchhäufigkeit wie oft etwas im Internet gesucht wird, also das Interesse der Suchmaschinenbenutzer an einem bestimmten Thema. Die Erfassung dieses Faktors ist jedoch nur möglich wenn Suchmaschinen ihre Werte veröffentlichen. Google stellt mit dem Keyword-Tool und dem Traffic Estimator Werkzeuge zur Verfügung mit denen sich die Suchhäufigkeit zumindest schätzen lässt.